Wir bekommen einen neuen Prädikanten!

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Wir bekommen einen neuen Prädikanten!

# Gottesdienste

Wir bekommen einen neuen Prädikanten!

Am 18. Oktober wird Dr. Richard Keuch im Sonntagsgottesdienst in der Grunewaldkirche um 11:30 Uhr von Superintendent Carsten Bolz in seinen neuen Dienst eingeführt werden. 

Danach gibt es einen kleinen Empfang.

Lesen Sie unten, wie Richard Keuch mit eigenen Worten seinen Werdegang bis zu diesem Moment beschreibt!

Mit seiner Beauftragung bekommt Richard Keuch das Recht, in Grunewald und im ganzen Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf ehrenamtlich Gottesdienste zu gestalten und dabei frei zu predigen und auch das Abendmahl zu feiern. Richard Keuch ist schon seit etlichen Jahren aktiv an der Gestaltung unserer Gottesdienste beteiligt. Wir freuen uns, ihn jetzt auch als Prädikanten unter uns zu haben. 

Am 18. Oktober führen wir ihn in sein Amt ein und erbitten Gottes Segen für seinen Dienst. Herzliche Einladung!

    

Richard Keuch:

Wer Ohren hat, der höre! (Mt 13,9)

Dieser Vers aus dem Evangelium nach Matthäus wirkt auf mich zunächst etwas befremdlich. „Nun hör doch einmal wirklich hin – oder willst du nicht verstehen?“ könnte man auch daraus lesen. Das Wort Jesu irritiert, weil es wie eine Mahnung und ein Vorwurf gleichermaßen daherkommt. Dabei steckt für mein Leben viel Weisheit in diesem Einfachen und trotzdem kraftvollen Vers. 

Ich bin schon als Kind viel mit meinen Eltern draußen gewesen, in der Natur. Sei es im Wald, wo wir am Wochenende bei nahezu jedem Wetter waren – meiner schottischen Mutter konnte ein bisschen Regen nichts anhaben – oder im Urlaub an der See oder manchmal auch in den Bergen. Die Vielfalt von Gerüchen, Geräuschen, Pflanzen und Pilzen, die unterschiedlichsten Tiere und die Kraft und Variabilität von Wolken, Wetter und Gezeiten – all das konnte ich zwar nicht konkret mit meinem heutigen Verständnis von Spiritualität verbinden, aber eins war mir immer vollkommen klar: Für mich konnte das, was sich mir zeigte, nicht bloß Zufall oder Beliebigkeit sein. Da musste etwas Großes, etwas Gewaltiges dahinterstecken. Ich nannte es damals nicht „Glauben“, aber an Gott Vater habe ich – das weiß ich rückblickend – immer geglaubt. Und ich habe auch kindlich, eher heimlich, gebetet. 

Erst in Gesprächen mit meiner Mutter kamen christliche Botschaften in mein Leben. „Gott ist Liebe“ ist eine Aussage, die ich immer wieder aus ihrem Mund hörte. Und von Jesus Christus, der uns die Liebe Gottes gezeigt hat, hat sie mir immer wieder erzählt. Spirituelle Lieder in ihrer Heimatsprache, wie zum Beispiel „Amazing Grace“, haben mich vielfach – besonders wenn ich traurig war oder krank – in den Schlaf begleitet. In ihrem Gesang fühlte ich nicht nur ihre Liebe, sondern gleichermaßen die Geborgenheit Jesu und seine fürsorgliche Liebe. 

Auch wenn der Weg zur Taufe nach diesen frühen Begegnungen mit dem Glauben eigentlich nahegelegen hätte, verlief mein Leben zunächst sehr irdisch: Schule, Studium, Arbeit, Verlieben, Hochzeit und Kinder. Gott lief sozusagen ohne eine direkte Kontaktaufnahme nebenher. Bis ich verschiedene Gotteserfahrungen machte, die mir Gott so nahebrachten, dass ich ihm nicht mehr schweigend begegnen konnte. Diese Erfahrungen sind sehr persönlich, ich lasse sie ohne Beschreibung, aber eine dieser Erfahrungen trug ich an meine Schwiegermutter heran. Eine gläubige Frau der Tat. Sie organisierte ein Gespräch mit der Pfarrerin aus ihrer ehemaligen Internatskirche in Schulpforta und jetzt war ein Impuls gesetzt, der Dynamik entwickelte. Mein Sohn und ich erhielten individuellen Konfirmationsunterricht und wurden schließlich getauft. Ich war da, wo ich immer schon sein wollte, ohne dass es mir bewusst gewesen war. Ich konnte in eine Kirche gehen, beten, Gottesdienste besuchen, ohne dass ein Gefühl der Fremdheit wie ein Stein im Schuh drückte. 

Seither versuche ich mich Gott weiter zu öffnen, ihn besser zu verstehen, auf Menschen zuzugehen, die auch auf der Suche nach ihm sind oder die meinen, ihn gefunden zu haben. 

Als mich Pfarrer Michalek – dem ich mich nach der Taufe im direkten Gespräch vorgestellt hatte – ansprach, ob ich mir vorstellen könnte, gelegentlich etwas in einem Gottesdienst zu lesen, war ich gerührt und beängstigt zugleich. Ich sollte aus der Bibel lesen, vor der ganzen Gemeinde und im Rahmen eines Gottesdienstes? Schließlich dankte ich und las von Zeit zu Zeit: was für eine schöne Erfahrung! Ich hatte das Gefühl, Teil der Verkündigung zu sein. Ich durfte Gottes Wort in die Gemeinde tragen. Halleluja!

Aus dieser ersten Erfahrung erwuchs mehr. Ich wurde gefragt, ob ich das Lesen auf ein breiteres Fundament stellen und den Ausbildungskurs zum Lektor im erweiterten Dienst besuchen wollte. Das tat ich gerne und mit Begeisterung. Anschließend fragte mich Prädikant Dr. Schönfeld, ob ich mir vorstellen könnte, meine theologischen Kenntnisse im Studium der Theologie für das Ehrenamt am KFU (kirchlicher Fernunterricht) zu erweitern und eine Berufung in das Prädikantenamt anzustreben. Angesichts der langen Ausbildungszeit und der damit verbundenen Abwesenheiten wollte ich diesen Weg allerdings nur mit der Unterstützung meiner Frau beginnen. Nachdem sie mir ihre Unterstützung zugesagt hatte, ging es los. Jetzt sind fast vier Jahre mit etlichen wissenschaftlichen Hausarbeiten, Unterricht, Examen und praktischem Kurs beim Amt für kirchliche Dienste (AKD) vorüber. Es ist alles geschafft, auch der letzte Sichtgottesdienst ist gefeiert und ich freue mich. Vor allem freue ich mich, Gott tatsächlich – in der Lehre, in den Dozentinnen und Dozenten, in den Kommilitoninnen und Kommilitonen – näher gekommen zu sein. Und ich glaube auch, dass ich ihn ein kleines bisschen besser verstehe.

Ich glaube, dass Gott uns auf sehr unterschiedliche Weise anspricht. Nicht immer hören wir ihn, nicht immer verstehen wir ihn, und manches erkennen wir vielleicht erst im Rückblick. Für meinen eigenen Weg habe ich erfahren: Es lohnt sich, Augen, Ohren und vor allem das Herz offenzuhalten. Dazu möchte ich auch andere ermutigen. Hören wir nicht weg, wenn Christus uns anspricht. Denn: „Wer Ohren hat, der höre!“

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