09/02/2026 0 Kommentare
Dry January
Dry January
# Gedanken

Dry January
Kaum ist am Jahresende das letzte Glas Sekt getrunken und der Rest Stollen verspeist, beschließen viele Menschen: Jetzt wird entgiftet. Willkommen im Dry January! Nun heißt es einen Monat durchhalten mit Wasser und Tee oder einen großen Bogen machen um Schokolade und Co. - oder sich der ganz großen Herausforderung stellen und auf beides, Alkohol und Süßes, verzichten.
Kein Problem in den ersten Tagen. Der Körper dankt es einem und man fühlt sich auch moralisch viel besser. Doch spätestens bei der ersten Einladung wird es kritisch. Während andere sich mit einem erlesenen Rotwein zuprosten hebt man freudlos das Glas mit Wasser und Zitrone und wenn der Nachtisch aufgetragen wird murmelt man entschuldigend, dass man gerade verzichtet. Jetzt heißt es stark bleiben und sich nicht verführen lassen von aufmunternden Worten wie „Ein Gläschen schadet doch nicht!“ oder „Probier doch nur mal einen Löffel!“ Und einen Vorteil hat die Standhaftigkeit ja: der Stolz auf sich selbst steigt mit jedem Tag ohne Wein und Süßes.
Irgendwann ist der Januar vorbei, dann sind Alkohol und Süßigkeiten wieder erlaubt und es geht weiter wie bisher. Was von einem Monat Enthaltsamkeit bestenfalls bleibt, ist ein Bewusstsein dafür, dass wir im Überfluss leben und das eigentlich ganz selbstverständlich finden. Das merkt man erst, wenn man auf etwas verzichtet, was für einen selbst zu einem angenehmen Lebensgefühl gehört. Während der Dry January für uns nur eine Konsumpause bleibt, ist Verzicht für viele Menschen auch in unserer Gesellschaft Lebenswirklichkeit. Gut, sich das ab und an vor Augen zu führen - und sei es nur einmal im Jahr.
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