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Juden in Grunewald
Gerade in der Zeit sogenannter Antisemitismusdebatten ist
es vielleicht angemessen, etwas über das Leben und die Leiden
der Juden in Grunewald vor und während der NS-Zeit zu berichten.
Bei einem Hausbesuch hat mir Frau Susanne Ueckert aus der
Trabener Straße ein Buch über "Berlin-Wilmersdorf - Die Juden"
ausgeliehen. (Kunstamt Wilmersdorf 1987)
Darin wird u.a. von der großen Bedeutung der Juden für die
Villenkolonie Grunewald berichtet, die hier 1923 eine Synagoge
in der Franzensbader Straße begründeteten. Der jüdische Anteil
an der Bevölkerung in Wilmersdorf und speziell in Grunewald
war sehr hoch, der Anteil der jüdischen Schüler in den beiden
Gymnasien lag bei etwa 40 %. Das lag wohl daran, dass sehr
viele Künstler, Bankiers, Professoren und Anwälte jüdischer
Herkunft waren, die jedoch nur zum Teil zur jüdischen Gemeinde
und teilweise zur christlichen Kirche gehörten.
Auf dem Sportplatz der jüdischen Gemeinde in Grunewald in
der Franzensbader Straße fanden nicht nur die Sportfeste der
Gemeinde statt, sondern auch Wettbewerbe und Veranstaltungen
der Schulen und der verschiedenen Sportvereine. Jeder Verein
hatte seinen eigenen Sportdress, die Mitglieder der jüdischen
Gemeinde trugen den Judenstern auf der Sportkleidung vorn
auf der Brust.
Auf
dem Sportplatz der jüdischen Gemeinde im Grunewald fanden
die Sportfeste der Gemeinde statt, aber auch Wettbewerbe und
Veranstaltungen der Schulen und der verschiedenen Sportvereine
(im eigenen Sportdress).
Die Verbindung aller Grunewalder zu ihren jüdischen Mitbürgern
war so eng, dass nach den rassistischen Vorschriften für Juden
zum Tragen des Judensterns sich Hunderte von Grunewaldern
aus Solidarität den Judenstern anhefteten. Die Nationalsozialisten
erließen daraufhin ein Gesetz, nach dem das "unbefugte Tragen
des Judensterns" unter Strafe gestellt wurde. Da Juden kein
Auto mehr benutzen durften, fuhren viele nichtjüdische Grunewalder
demonstrativ mit Juden in ihrem Auto zum Einkaufen. Als die
Zeit der Judendeportationen begann, hat die Inhaberin eines
privaten Altenheims in Grunewald in ihrer großen Villa etwa
sechs Jahre lang 20 Juden untergebracht - versteckt hinter
Trennwänden auf dem Dachboden. Im Folgenden habe ich aus dem
oben genannten Buch Auszüge zusammengestellt.
Helga Frisch
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