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Du sollst nicht stehlen

Wussten Sie schon…

…dass hier im hebräischen Original für „stehlen“ das Verb „ganav“ steht, von dem auch der Ausdruck „Ganove“ stammt?

…dass dieses Wort auch an Stellen steht, wo es um Menschenraub geht?

…dass eine Auslegung im Judentum lautet, hier sei vom Menschenraub die Rede, da auch die umliegenden Gebote von Menschen und nicht von Dingen sprechen, und man alles im Kontext verstehen müsse. Vom Gelddiebstahl sei hingegen später in 3. Mose 19,11 die Rede, denn da geht es im Kontext um Geld

. …dass unabhängig davon auch im Christentum ein Theologe namens Albrecht Alt ganze Auslegungs-Generationen geprägt hat mit der These, es ginge hier vor allem um Menschenraub? Seine Argumentation stützte sich darauf, dass in 2. Mose 21,16 dasselbe Verb für den Raub eines Menschen steht. Sicher war Menschenraub in Zeiten des Sklavenhandels und der hohen Sklavenpreise ein Thema. Aber hier an dieser Stelle steht nichts von einem Menschen, sondern nur dieses Verb, ohne irgendein Objekt. Da wird nicht eingeschränkt, wen oder was man nicht stehlen soll. Sondern einfach: Nicht stehlen. Daher ist beiden Argumentationen gegenüber zu betonen: Es geht hier nicht in erster Linie um Menschenraub. Es geht ganz grundsätzlich um Diebstahl von fremdem Eigentum und Besitz.

…dass Luther auch dieses Gebot wieder so weit fasst, dass ich das Eigentum des Mitmenschen nicht nur nicht antaste, sondern es sogar schützen und mehren helfen soll? Ich soll ihn beim Geschäft nicht übervorteilen, ich soll ihm sogar mit meinem Geld aushelfen, wenn er in Not ist. Das alles steckt in den Worten: Du brauchst nicht stehlen.

…dass hier das Eigentum, der Besitz nicht nur um des materiellen Wertes willen geschützt wird? Das Eigentum des Mitmenschen habe ich deswegen zu achten, weil es seine Existenz-Grundlage ist, die ihm Freiheit und Leben ermöglicht. So kann man auch an diesem Gebot zeigen, wie der Dekalog die Freiheit und den Lebensraum, den Gott jedem einzelnen Menschen schenkt, schützt.

Anna Nguyen-Huu