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Besuch in der Ökumene: Einstimmen auf das Jugendtreffen der Communauté von Taizé 2011

Von Claudia Theves

Der ökumenische Grundgedanke der Gemeinschaft von Taizé fasziniert mich seit langem. Die Communauté zählt heute an die hundert Brüder, Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen aus über fünfundzwanzig Ländern. Ihr Dasein allein ist für mich lebendiges Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern. Meine ersten Erfahrungen mit Andachten, angelehnt an den Ritus von Taizé, machte ich vor vielen Jahren im Berliner Dom, auf der Suche nach alternativen Gottesdienstformen und einer Spiritualität, die mich anspricht und bereichert. Die Organisation des großen Jugendtreffens (das alljährlich zum Jahreswechsel in einer anderen europäischen Metropole stattfindet) erfordert jede Menge an Planung und Arbeit. Und doch treffen sich die Brüder und Verantwortlichen des Vorbereitungsteams täglich in der Marienkirche, um ihr gemeinsames Mittagsgebet zu feiern. Mitten im Zentrum unserer ehemals geteilten Stadt - ein schönes Symbol, denn auch wir Deutschen waren einmal geteilt und finden neu zusammen. Die Chance, einmal ein „Original -Taizé-Gebet“ zu erleben, interessiert mich brennend, und so mache mich auf den Weg. Von Wilmersdorf aus ist Stadtmitte selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Die S-Bahn bringt mich in kurzer Zeit zum Alexanderplatz, und von da aus erreiche ich die Marienkirche in wenigen Minuten. Die andächtige Stille im Kirchraum tut gut. Dreißig bis vierzig Menschen haben sich versammelt, sitzen in den Bankreihen oder auf den Meditationshockern davor. Im Altarraum steht ein bemaltes, aber schlichtes Holzkreuz, geschmückt mit einem bunten Tuch und Kerzen. Die Brüder ziehen in weißen Gebetsgewändern ein. Erste Gesänge werden angestimmt, wir hören eine kurze biblische Lesung in mehreren Sprachen. Was folgt, ist Stille. Eine ungewohnt lange Stille, die ich aus unseren traditionell wortreichen Gottesdiensten nicht kenne. Mein Blick fällt auf das Kreuz und die Kerzen. Irgendwann kommen meine Gedanken zur Ruhe, ein wohliges Gefühl der Geborgenheit umgibt mich. Auch die für Taizégebete typischen, kurz und wiederholt gesungenen Verse, schaffen eine Atmosphäre der Sammlung. Der einfache Grundgedanke des jeweiligen Liedes prägt sich durch die Wiederholungen tief ein; meditatives Singen ohne jede Ablenkung macht bereit, auf Gott zu hören. So wird jeder einzelne Gesang zu einem persönlichen, gleichzeitig aber auch zu einem gemeinsamen Gebet. Dem Fürbittengebet und anschließenden Vater unser folgen noch zwei weitere Gesänge - dann ziehen die Brüder aus. Wir anderen aber singen noch weiter. Noch immer leise summend verlasse ich die Kirche. Auf dem Alexanderplatz wird der Weihnachtsmarkt aufgebaut, das Riesenrad steht schon und scheint selbst den Fernsehturm an Höhe zu überragen. Welch’ bizarres Bild, als ich mich noch einmal umdrehe und den Kirchturm erblicke – diesmal umrahmt vom mächtigen Riesenrad, so als wäre auch er Teil des kommenden Weihnachtsspektakels auf dem Alexanderplatz. Wie schön zu wissen, dass es nicht so ist.

Tägliches Mittagsgebet in der St. Marienkirche, Karl-Liebknecht-Str. 8, 10178 Berlin, S/U AlexanderplatzMo-Sa 12:30 Uhr (bis 15.01.2012) www.taize-berlin.de www.marienkirche-berlin.de